Solidarität mit Prosfygika
- 14. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Wir, als das Lêgerîn-Editorial-Team, wollen an diesem internationalen Aktionstag für die Gemeinschaft des selbstverwalteten Viertels Prosfygika unsere Solidarität mit den Genoss*innen ausdrücken, die dafür kämpfen, das kommunale Leben, das im Herzen einer Metropole geboren werden konnte, zu beschützen. Wir republizieren eine (von uns übersetze) Mitteilung der Genoss*innen von Prosfygika über die aktuellen Ereignisse und Angriffe gegen die Gemeinschaft und die von Aristotelis Chantzis und vor etwas kürzerer Zeit, am 1. Mai, von Suzon Doppagne zum Schutz der Gemeinschaft initiierten Hungerstreiks bis zum Tod.

Seit dem 5. Februar befindet sich Aristotelis Chantzis, Bewohner und Mitglied der besetzten Gemeinschaft Prosfygika an der Alexandras-Avenue in Athen, im Hungerstreik bis zum Tod. Am 1. Mai hat sich die Bewohnerin und Mitglied Suzon Doppagne dem Kampf für das Leben angeschlossen, um die Beziehungen, die Kultur, die Selbstorganisation, Selbstversorgung und direkte Demokratie zu verteidigen, welche die Gemeinschaft in den letzten 16 Jahren aufgebaut hat.
Die acht historischen Gebäudeblöcke, aus denen sich die Nachbarschaft Prosfygika an der Alexandras-Avenue im Herzen von Athen zusammensetzt - direkt zwischen der Generalpolizeidirektion und dem Athener Berufungsgericht - wurden 1933–1935 erbaut, um Vertriebene aus dem griechisch-türkischen Krieg unterzubringen. Seit 16 Jahren prägt das Viertel eine lebendige Gemeinschaft von 400 Menschen mit ihren unterschiedlichen kulturellen, religiösen, sprachlichen, politischen und ideologischen Hintergründen. Die Mitglieder*innen und Bewohner*innen organisieren sich in offenen Versammlungen, basierend auf den Prinzipien von Horizontalität und Solidarität, um ihre Bedürfnisse gemeinsam zu decken und respektvoll zusammenzuleben.
Zum Wohle der Gemeinschaft und zur Selbstversorgung hat die Gemeinschaft des besetzten Prosfygikas 22 autonome, offene Strukturen für die Bewohner*innen der Nachbarschaft und des umliegenden Viertels Ambelokipi eingerichtet. Dazu gehören eine Kindertagesstätte, eine Unterkunft für Patient*innen und ihre Begleitpersonen im nahegelegenen Krebskrankenhaus, ein Gesundheitszentrum und eine Gemeinschaftsapotheke. Mit Strukturen wie der Struktur für kollektive Selbstbildung, für Nahrungsmittelproduktion und -logistik, für Kleidung und Technik sowie für vielfältige kulturelle Aktivitäten ist die Gemeinschaft die größte Selbstorganisationsinitiative in Griechenland. Gleichzeitig hat die Gemeinschaft ein Netz horizontaler Beziehungen aufgebaut, um der vorherrschenden Kultur von Wettbewerb, Unterdrückung und Individualisierung entgegenzuwirken und eine kollektive Kultur sowie eine Politik des Lebens und des Kampfes zu fördern.
Seit Juni 2025 versucht der griechische Staat erneut, die Gemeinschaft zu zerstören, ihre 400 Bewohner*innen zu vertreiben und das historische Viertel an staatliche, kapitalistische und wirtschaftliche Interessen zu übergeben. Eine Vertrag, unterzeichnet von der Region Attika, dem Kulturministerium und der Regionalbehörde von Attika, treibt einen Gentrifizierungsplan voran, der zu einer umfassenden Umgestaltung von Prosfygika und des Stadtteils Ambelokipi im Allgemeinen führen wird.
Die Bewohner*innen kämpfen derzeit gemeinsam auf mehreren Ebenen gegen die gewaltsame Umsetzung des Plans, um das Beziehungsgeflecht der Gemeinschaft sowie ihre Autonomie und Selbstversorgung zu sichern, die sie über die Jahre hinweg von unten her aufgebaut hat. An vorderster Front dieses Kampfes stehen Aristotelis Chantzis und Suzon Doppagne mit ihrem Hungerstreik bis zum Tod, mit dem sie ihr Leben für die Gemeinschaft und deren politisches Vorhaben riskieren.
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