Neues Zine: „Freiheit und Sozialismus“
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Wir haben einen Artikel von Sinan Cûdî, der am 29. Dezember 2025 bei ANF-News erschienen ist, erneut im Zine-Format veröffentlicht. Darin wird das Freiheitskonzept bei Marx und Öcalan analysiert und die Kontinuität zwischen den beiden Denkern hervorgehoben.
"Die Frage gesellschaftlicher Freiheit gehört zu den zentralen, zugleich jedoch zu den problematischsten Themen der modernen politischen Theorie. Innerhalb der marxistischen Tradition wird Freiheit in hohem Maße mit der Transformation der Produktionsverhältnisse und der Überwindung der Klassenherrschaft verknüpft. Diese Perspektive hat zwar einen bedeutenden theoretischen Rahmen geliefert, um die strukturelle Funktionsweise kapitalistischer Ausbeutung offenzulegen, doch zeigen historische Erfahrungen, dass Freiheit nicht automatisch durch den Wandel ökonomischer Verhältnisse entsteht.
Selbst unter veränderten Bedingungen der Klassenherrschaft können Herrschaftsverhältnisse in unterschiedlichen Formen neu reproduziert werden – was verdeutlicht, dass die Frage der Freiheit einer tiefergehenden theoretischen Auseinandersetzung bedarf.
Es liegt auf der Hand, dass gesellschaftliche Freiheit im Zusammenhang mit dem Verhältnis zum Sein sowie mit der Weise betrachtet werden muss, in der sich eine Gesellschaft selbst versteht. Mit anderen Worten: Freiheit ist kein nachträglich erreichbares politisches Gut, sondern ein Prozess, der sich innerhalb ontologischer1 Voraussetzungen, sozialer Beziehungen und praktischer Handlungsformen entfaltet. Wird der Mensch – ebenso wie die Gesellschaft – als statische Essenz begriffen, so wird Freiheit zwangsläufig begrenzt. Demgegenüber eröffnen Ansätze, die das Sein als relationale, prozesshafte und historisch gewordene Formation auffassen, erweiterte materielle und gesellschaftliche Bedingungen für Freiheit.
In diesem Zusammenhang darf Abdullah Öcalans2 Auffassung des Sozialismus als Gesellschaftlichkeit nicht als bloße Absage an den klassischen dialektischen Materialismus3 gelesen werden. Vielmehr ist sie als ein Versuch zu verstehen, die durch historische Erfahrungen offengelegten Grenzen dieses Ansatzes zu überwinden. Indem Öcalan Ontologie, Soziologie und Sozialismus als untrennbar miteinander verwobene Notwendigkeiten begreift, eröffnet er die Möglichkeit, Freiheit als eine Problematik gesellschaftlicher Existenz neu zu denken – jenseits einer bloßen Veränderung von Herrschaftsverhältnissen.
Vor diesem Hintergrund lässt sich folgende Leitfrage formulieren: Lässt sich gesellschaftliche Freiheit allein durch die Transformation der Produktionsverhältnisse herstellen, oder sind das Seinsverständnis und die gesellschaftliche Ontologie konstitutive Bestandteile dieses Prozesses? Diese Fragestellung erlaubt es, die Stärken des klassischen marxistischen Freiheitsverständnisses anzuerkennen, zugleich jedoch die theoretischen und praktischen Blockaden sichtbar zu machen, die durch die Vernachlässigung der ontologischen Dimension entstehen.
Dementsprechend widmet sich dieser Artikel zunächst der Herangehensweise des klassischen dialektischen Materialismus an das Problem der Freiheit und beleuchtet dessen historisch-praktische Grenzen. Im Anschluss wird die Bedeutung ontologischer Fragen im Verhältnis zur Freiheit diskutiert und untersucht, inwiefern die Weise des Mensch- und Gesellschaft-Seins politische Praxis beeinflusst. In den folgenden Abschnitten wird die Notwendigkeit einer Erweiterung der klassenbasierten Analysen in einem soziologischen Rahmen behandelt, wobei Öcalans auf Gesellschaftlichkeit basierende Sozialismusauffassung an der Schnittstelle dieser theoretischen Debatten positioniert wird. Die Untersuchung schließt mit der Überlegung, wie der dialektische Materialismus durch die Integration ontologischer und gesellschaftlicher Dimensionen in einen historischeren und umfassenderen Rahmen überführt werden kann."



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