Heval Emine: Ein Symbol der Frauen-revolution und der Einheit der Völker
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Emine Erciyes war Mitglied der YJA Star (Freie-Frauen-Einheiten), des HPG-Kommandorates (Volksverteidigungseinheiten) und des YJA Star Zentralen Hauptquartierkommandos. Sie fiel 2020 in den Medya-Verteidigungszonen. Als turkmenische Frau ist ihr Kampf ein kraftvolles Symbol von Internationalismus und der Freundschaft zwischen den Völkern. Çiğdem Doğu, Mitglied des KJK Exekutivrates (Kurdistan-Frauen-Einheit), hat kürzlich in einem Interview über sie gesprochen.

Ich erinnere mich an meine Genossin, Heval Emine Erciyes, mit Liebe, Respekt und Dankbarkeit. Sie war aus der Türkei. Dadurch, dass die der PKK beigetreten ist, lebte und verkörperte sie den Glauben, dass die türkische und die kurdische Revolution tatsächlich ein und die Selbe sind. In diesem Sinne muss unsere Antwort auf ihr Gedenken die Versicherung des Erfolgs einer geeinten, demokratischen Revolution in der Türkei und Kurdistan sein. Damit erinnere ich an Heval Emine.
Ich traf sie zum ersten Mal 1996. Beide unserer Wege in die Partei waren ungewöhnlich. Zu dieser Zeit gab es Pläne in der PKK, dass türkische Genoss:innen sich mehr auf die türkische Revolution fokussieren sollten, um eine neue Aufstellung zu formen, die sich dem Kampf verschrieb. So wurde die Revolutionäre Volkspartei der Türkei (DHB) gegründet: Eine Struktur, die türkische Genoss:innen, die Erfahrung in der PKK hatten und von der Perspektive und dem Beitrag Rêber Apos geprägt waren, zusammenbrachte. In den frühen 1990ern nahm dieser organisatorische Aufwand Form an, unter dem Namen DHB. Heval Emine ist, wie ich, dieser Struktur beigetreten.
Als sich der Prozess entfaltete, begannen auch Operationen. Später verließen wir die Türkei und sind direkt der Organisation beigetreten. Da lernte ich Heval Emine kennen, im Sommer 1996. Wir waren im gleichen Ausbildungszyklus: Eine große Gruppe von Genoss:innen aus der Türkei und Kurdistan, die zusammen lernten.
Sie sah die Zukunft in der Einheit der kurdischen und türkischen Völker und fand ihren Weg in der PKK
Aus ihrem Charakter strahlte sie sowohl die demokratischen, ethischen und ästhetischen Werte der Frauen, als auch den Gemeinschaftsgeist, das soziale Bewusstsein und die Widerständigkeit des turkmenischen Volkes aus. Obwohl sie in Darüşşafaka studierte, einer Schule, die nah an das System gebunden ist und Absolventen mit guten Zukunftsaussichten produziert, konnte sie ihre eigene Zukunft nicht im System sehen, sondern in der Revolution und dem Kampf der Völker. Sie erkannte ihren Platz nicht nur im türkischen oder turkmenischen Volk, sondern in der Einheit der kurdischen und türkischen Völker. Sobald sie diesen Weg sah, folgte sie ihm aus ganzem Herzen. Dieser Geist brachte sie zur PKK.
Erst war sie teil der türkisch-basierten Struktur, doch über die Zeit hinweg trug sie dieselbe Essenz in ihrer Mentalität, Ideologie und Kampfstrategie fort. Sie führte ihren Weg innerhalb der PKK-Bewegung weiter.
Heval Emine war in der Bewegung für ihre Feinsinnigkeit bekannt. Sie war wirklich eine gedankenvolle, künstlerische Person in jedem Sinne dieses Wortes, eine kultivierte Frau, eine kultivierte Revolutionärin. So kannten wir sie von Beginn an und so blieb sie bis zum Ende.
Immer hielt sie den kindlichen Geist in sich lebendig, bewusst ließ sie ihn nicht verblassen oder “aufwachsen”. Gleichzeitig vertiefte sie ihn, revolutionierte ihn, politisierte ihn und verstärkte ihn mit der organisatorischen Erfahrung, mit dem Leben der Guerilla, mit der Disziplin der Selbstverteidigung. Währenddessen verlor sie nie Unschuld, Freude und Empfindlichkeit dieses Kindes.
Es ist wahrlich schwer, sie zu beschreiben. Aber sie hat tiefe Prägungen in uns allen hinterlassen; nicht nur in den älteren Genoss:innen, besonders in der Jugend. Deshalb ist es so schwierig, sie in Worte zu fassen. Sie war, ganz einfach, anders.
Eine Genossin, die in jeder Beziehung Bedeutung schuf
Ihre ideologische Aufmerksamkeit, ihre Neugier, ihre beständige Suche nach Bedeutung, ihre Arbeit daran, sich selbst als Frau zu verstehen…
Sie führte Tagebuch. Wir teilten sie sogar während sie schrieb, tauschten Notizen aus und lasen sie uns manchmal gegenseitig vor. In diesen Tagebüchern gab es immer eine Suche: Die Bestrebung einer Frau, sich selbst zu entdecken; was Rêber Apo xwebûn nennt, ihre eigene Existenz neu zu definieren, sich auf der Grundlage des Kampfes bewusst neu zu erschaffen.
In diesem Sinne war Heval Emine jemand, der viel in sich selbst investierte, aber nicht nur in sich selbst. Sie schätzte ihre Genoss:innen sehr, bemühte sich und schaffte Bedeutung in jeder Beziehung, der sie teil war.
Noch immer denke ich so an sie. Sie war eine Genossin, über die ich oft nachdachte, während sie noch am Leben war. Es war immer etwas an ihr; eine Freude, eine Art von Liebe. In ihrer Haltung zum Leben, ihrer Art zu handeln, wie sie ihre Arbeit austrug, mit einer Genossin sprach, sogar darin, wie sie jemanden grüßte, war immer Freude und immer Liebe. Sie hatte eine besondere Energie um sich. Und ich glaube, diese Energie kam direkt aus ihrer Suche für Wahrheit und Sinn.
Sie konnte frei handeln; eine Genossin, die ihre eigenen Ketten brach
Ihre Art, dem Leben einen Sinn zu geben, war nicht wissenschaftlicher Natur, sie war anders. So interessierte sie sich beispielsweise sehr für Quantenphysik und versuchte, die Wahrheit durch die Quantentheorie zu verstehen. Aber auch durch Kunst, Theater, Musik, Tanz ...
Als revolutionäre Frau hatte sie in dieser Hinsicht eine freie Persönlichkeit. Wo viele von uns konservativer handeln würden, war sie frei. Zu tanzen, Gedichte zu lesen, sich ohne Zurückhaltung auf der Bühne zu bewegen; das ist wirklich eine andere Ebene. Also war Heval Emine eine Genossin, die ihre Ketten brechen konnte.
Wie ich schon sagte, war es vielleicht ihre künstlerische Ader, die auf ihren Widerstandsgeist traf und eine neue, kraftvolle Harmonie mit der Guerillarealität fand, die in Kurdistan aufkam. Ich sehe es als sehr wichtig, Heval Emine so zu beschreiben. Denn manchmal werden Revolution und revolutionäres Leben nur in starren Formen verstanden. Dahingehend war Heval Emine eine Quelle der Farbe innerhalb der PKK. Mit ihrem Charakter als Frau, ihren kunstvollen Eigenschaften, ihren Fähigkeiten als Guerilla-Kommandeurin, als Teil der PAJK-Führung, als Mitglied des Zentralkommandos und als weibliche Führerin stach sie heraus, weil sie ihre eigene Identität ausdrückte, xwebûn wurde. Es ist wichtig, sie so zu verstehen.
Und natürlich war sie auch eine Genossin, die zusammen mit ihrer türkmenischen Identität verstanden werden muss. Sie trug die unverfälschten, nicht-etatistischen, gemeinschaftlichen und kollektiven Werte des turkmenischen Volkes in sich. Dieser Geist verknüpfte sie mit der PKK. Indem sie sowohl die Essenz der Weiblichkeit bewahrte als auch die widerständige und gemeinschaftliche Seite des turkmenischen Volkes verkörperte, fand sie ihren Weg zur PKK.
Ihre Verbindung mit dem Zagros war etwas Besonderes
Die Verbindung zwischen ihr und der Region war auf dem Niveau von Liebe. Es war nicht nur gewöhnliche Arbeit oder einfach an einem Ort zu sein; sie gab ihm einen tiefen Sinn. Besonders im Zagros war ihre Beziehung zu den Bergen und zur Natur außergewöhnlich. Das nur als “ökologisch” zu bezeichnen, wäre zu trocken. Die Art und Weise, wie sie mit Bäumen, Blumen und Tieren umging, war dieselbe, mit der sie menschlichen Beziehungen Bedeutung verlieh, dieselbe, mit der sie Revolution mit ethischen und ästhetischen Werten verband. Ihre Verbundenheit mit einem Baum und insbesondere mit Blumen war beeindruckend.
Narzissen liebte sie besonders. Die Blumen Kurdistans sind überall schön und bringen den Menschen große Freude. Heval Emines Beziehung zur Natur war genau so: Sie sah sie als lebendig, sprach mit ihr, gab ihr Liebe und erhielt Liebe von ihr zurück.
So viel lässt sich über Heval Emine erzählen. In ihrem Kern war sie eine revolutionäre Frau, eine Genossin, die auf der höchsten Stufe die Essenz von Frauengemeinschaft auslebte. Um sie zu ehren ist es notwendig, die Frauenrevolution zu stärken und zu sozialisieren.
Gleichzeitig muss die Antwort auf ihr Gedenken auch sein, die türkischen und kurdischen Revolutionen als eine geeinte, demokratische Revolution zu verstehen und ihren Erfolg zu sichern. Ihr zu gedenken heißt, sowohl der Frauenrevolution, als auch der türkischen und kurdischen Revolution zu dienen.
Auf dieser Grundlage basiert unser Versprechen. Ich persönlich gebe meiner Zeit mit Heval Emine diese Bedeutung. Aber organisationell schulden wir ihr alle etwas. Wir werden anstreben, ihr würdig zu sein..



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